Page 6 - Forschungsbericht 2021 - Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik
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Das Jahr 2022


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               Neutralleichtbau – Eine Idee mit Folgen


               Leichtbau ist seit langem ein wichtiger Impulsgeber für   Umweltauswirkungen technischer Strukturen. Ressour-
               ein ressourcenschonendes und zugleich wettbewerbsfä-  censchonung ist somit ein konstituierendes Element des
               higes Wirtschaften. So titelte bereits 2010 das Dresdner-  Dresdner Leichtbaus und sowohl konzeptionell als auch
               Leichtbausymposium:  „Nachhaltigkeit  als  Innovations-  methodisch fest verankert.


               treiber im effizienten Systemleichtbau“. Die damals for-
               mulierte Vision nimmt die heute omnipräsente Forde-  Während die drei etablierten Designansätze im Leichtbau

               rung nach einem Einklang von Technologie, Ökonomie   (Spar-, Effizienz- und Zweckleichtbau) hauptsächlich tech-


               und  Ökologie  auffallend  vorweg.  Die  Anwendung  von   nische und wirtschaftliche Produktanforderungen adres-
               Leichtbauprinzipien zur Überwindung von Ressourcen-  sieren, braucht es heute neue ganzheitliche Lösungen,
               knappheit ist aber kein neuer Ansatz. Ihre Notwendigkeit   um Wachstum, Umweltschutz und Ressourcenschonung

               wird vielmehr immer dann evident, wenn die Rohstoff-  in ein Gleichgewicht zu bringen. Denn umweltrelevante
               versorgung instabil ist oder Ressourcen knapp werden.   Aspekte werden in diesen klassischen drei Ansätzen nur
               Bereits 1988 postulierte eine Publikation aus unserem   indirekt berücksichtigt, zum Beispiel wenn Kosteneinspa-
               Haus die Notwendigkeit eines „sparsamen Umgang mit   rungen en passant ökologische Vorteile bieten. Insbeson-
               Ressourcen und Werkstoffen und den rationellen Ein-  dere das Denken in Produktkreisläufen und die gezielte

               satz  von  Energie“,  die  „Wiederverwendung“  und  „Re-  lebenszyklusübergreifende Gestaltung der Umweltaus-
               generation des Produkts oder Bauteils“ und hub dabei   wirkungen von Leichtbaustrukturen und -systemen sind
               explizit auch schon die besondere „Verantwortung des   dort nicht verankert.
               Konstrukteurs“ hervor (Knauer, 1988). Im folgenden Jahr-
               zehnt wurde durch Prof. Hufenbach das Dresdner Modell   Um die Ziele der internationalen Klimavereinbarungen
               „Funktionsintegrativer Systemleichtbau in Multi-Material-  und des europäischen Green New Deals tatsächlich zu
               Design“ zu einem auch global beachteten Benchmark im   erreichen, ist es entscheidend, umweltrelevante Aspekte
               Leichtbau. Ein wesentlicher Bestandteil dieses 1995 for-  gleichermaßen und konsequent in den Fokus der For-
               mulierten Gestaltungsansatzes ist – neben klassischen   schungs- und Entwicklungsprozesse zu rücken. Gefordert
               technischen und ökonomischen Kriterien wie Sicherheit,   ist deshalb ein neuer (vierter) Designansatz für techni-
               Fertigung, Kosten und Qualität – auch die Beachtung der   sche Strukturen mit dem Ziel, eine Beeinträchtigung der










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